So analysieren Sie herausfordernde Situationen
Wir bezeichnen einen Menschen als schwierig, wenn man mit ihm einfach nicht weiter kommt. Gute Worte, Entgegenkommen, Erklärungen oder Kompromissvorschläge – nichts hilft. Dann drehen sich unsere Gedanken im Kreis, manchmal noch, wenn wir längst etwas anderes tun oder eigentlich schlafen wollen. Mit folgender Analyse verlassen Sie das Gedankenkreisen und kommen weiter.
Was genau tut Ihr schwieriger Mensch, dass es so unangenehm wird?
Beschreiben Sie hier sein Verhalten und die Folgen: Welche berechtigten Bedürfnisse frustriert Ihr schwieriger Mensch? Welche unangenehmen Folgen hat sein Verhalten Sie? Welche zwischenmenschlichen Spielregeln bricht er mit seinem Verhalten?
Wie haben Sie bisher darauf reagiert?
Unter Stress greifen wir auf unsere biologischen Schutzmechanismen zurück, diese sind Kampf, Flucht und Unterwerfung. Haben Sie überreagiert und sich hart, konfrontativ oder aggressiv verhalten? (Das ist verständlich, denn Ihr schwieriger Mensch braucht wirklich eine starke Reaktion, allerdings eine kluge, denn Kampf verhärtet die Situation meist noch.) Sind Sie geflüchtet? Haben Sie den Konflikt vermieden und Ihren schwierigen Menschen gewähren lassen?(Auch das ist verständlich, denn Sie spüren: Jede Gegenwehr gefällt Ihrem schwierigen Menschen nicht und hat seine Risiken.) Haben Sie sich unterworfen, also an das unmögliche Verhalten Ihres schwierigen Menschen angepasst? Und wenn ja wie? (Damit haben Sie Ihren schwierigen Menschen eine Art Gewohnheitsrecht auf sein unmögliches Verhalten eingeräumt. Es braucht daher kleine, behutsame Schritte, es ihm wieder abzunehmen.) Dummerweise bestätigen Kampf, Flucht und Unterwerfung Ihren schwierigen Menschen. Kampf gibt dem rücksichtslosen Verhalten Ihres schwierigen Menschen eine Rechtfertigung. Flucht und Unterwerfung geben dessen Verhalten auch Recht, schließlich kommt er damit durch. Damit sollte bald Schluss sein.
Was will Sie Ihr schwieriger Mensch glauben lassen?
Schwierige Menschen unterziehen uns einer Gehirnwäsche, denn damit lähmen sie unsere Gegenwehr. Sie sprechen es nicht unbedingt aus, trotzdem kommt sie bei uns an, zum Beispiel in Form von: „Du bist verpflichtet mir zu helfen und auf mich Rücksicht zu nehmen.“ Oder: „Du bist ohnehin die Schwächere, also kannst du auch gleich nachgeben.“ In welche falsche Wirklichkeit zieht Sie Ihr schwieriger Mensch hinein? Und wie können Sie sich wieder bewusst machen, was die Realität ist?
Wie sieht es eigentlich mit der Machtfrage aus?
Unser Umgang mit schwierigen Menschen läuft immer auf diese unappetitliche Frage hinaus. Scheuen Sie sich nicht, sie zu stellen und zu beantworten: Wer kann sich durchsetzen? Gibt es Menschen in ihrem Umfeld, mit dem Sie sich zugunsten einer fairen Lösung verbünden können? Gibt es einen Vorgesetzten oder eine andere Menschen mit Autorität? Oder liegt Ihre Macht darin, dass Sie schwierige Menschen gar nicht brauchen und sich von ihm unabhängig machen können/ihm aus dem Weg gehen können? Die Antwort auf die Machtfrage bestimmt Ihre Strategie. Wenn möglich, setzen Sie einen fairen Umgang einfach durch, auch wenn es Ihrem schwierige Menschen nicht gefällt. Sie spielen dann eine positive Macht aus. Falls Ihr schwieriger Mensch aber mächtiger ist, kann es auch so okay sein, ein guter Verlierer zu sein. Dann reibt man sich wenigstens nicht auf, es geht um Schadensbegrenzung und darum, sich in kleinen, unauffälligen Schritten immer unabhängiger zu machen.
Wie sieht eine gute Strategie im Umgang mit Ihren schwierigen Menschen aus?
Meist kommen zwei Dinge zusammen: Unser schwieriger Mensch verhält sich wirklich rücksichtslos und gleichzeitig trifft sein Verhalten auf einen wunden Punkt bei uns - das macht uns unsicher und hilflos. Dann ist es wahrscheinlich, dass andere etwas besser mit unserem schwierigen Menschen zurechtkommen. Wir können uns von ihnen etwas abschauen: Wie reagieren andere? Vielleicht haben Sie bei der Analyse aber auch schon selbst gute Gedanken entwickelt, wie Sie etwas wirkungsvoller reagieren können. Probieren Sie es einfach aus. Schwierige Menschen sind unberechenbar, weil wir nie wissen können, ob sie sich anpassen, um nicht ganz ins Abseits zu geraten, oder ob sie ihrer Rücksichtslosigkeit freien Lauf lassen. Deshalb ist es immer ein Vorgehen nach Versuch und Irrtum, wenn wir mit Ihnen etwas Neues ausprobieren. Viele haben mir schon Erfolge berichtet, wenn sie Neues gewagt haben. Auf der Seite „Stachligen Persönlichkeiten“ habe ich die besten Strategien für unterschiedliche schwierige Typen auf den Punkt gebracht.
Mit den Bestsellern "Stachlige Persönlichkeiten" und "Meine Stacheln" sind schon viele Leser in die abgründige Welt der Stacheln eingetaucht.
Dieses Arbeitsbuch gibt Ihnen praktische Hilfen an die Hand, wie Sie schwierige Menschen in Ihrem Umfeld entwaffnen und auch eigene Schwächen entschärfen können.
Steckbriefe bieten einen schnellen Überblick. Fragebögen erleichtern die Analyse . Sie können direkt in die Arbeitsblätter schreiben und Ihre Gedanken dadurch festhalten. Zusätzlich gibt es Material für den Austausch mit anderen und für Gesprächsgruppen.
Die Anleitungen zur Analyse und zum Finden einer guten Strategie sind übrigens auch in die Jubiläumsausgabe "Wie überlebe ich schwierige Menschen " aufgenommen.
