Schwierige Eltern und Schwiegereltern

7 Fehler, die Sie vermeiden können

Der Dankbarkeitsfehler

Reife Eltern fordern keine Dankbarkeit ein. Sie haben selbst so viel Freude an den Kindern gehabt und das Glück des Elternseins genossen. Ihr Einsatz hat sich für sie schon gelohnt - auch wenn er manchmal über die Kräfte ihre ging und es neben schönen Momenten auch Kummer und Sorgen gab. Reife Eltern wünschen sich natürlich auch heute Wertschätzung, aber sie haben nicht das Gefühl, dass ihre erwachsenen Kinder in ihrer Schuld stehen. Genau das sehen schwierige Eltern anders. Sie beanspruchen Dankbarkeit. Sie glauben, dass sich ihre erwachsenen Kinder deshalb nach ihnen richten müssen. Doch das müssen erwachsene Kinder nicht mitmachen. Sie können ihren Eltern dankbar für Gutes sein und trotzdem ihr eigenes Leben leben.


Der Verantwortlichkeitsfehler

Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür, dass die Beziehung zu Eltern und Schwiegereltern gut ist? Grundsätzlich beide Seiten. Nur wenn sich beide Seiten positiv verhalten, kann eine gute Beziehung entstehen. Wo sich eine Seite unfair, besserwisserisch, Grenzen überschreitend oder erpresserisch verhält, lässt sich nur eine sehr eingeschränkte Beziehung leben. Dann kann Abstand notwendig sein und erwachsene Kinder müssen gut darauf achten, dass Begegnungen unter möglichst sicheren Rahmenbedingungen stattfinden. Bei genauerem Hinsehen tragen Eltern sogar eine besondere Verantwortung für die Beziehung zu ihren Kindern: Sie haben früher die Weichen gestellt. Es lag in ihrer Macht, unnötige Verletzungen zu vermeiden und sich für das, was nicht gut gelaufen ist, ehrlich zu entschuldigen. Auch wenn Eltern es nicht böse meinen: Wenn Kinder sich mit ihnen nicht wohlfühlen, dürfen Eltern ihnen nicht die Verantwortung dafür aufladen. Erwachsene Kinder müssen auch nicht so tun, als könne man grenzenlos vertrauen und auf eine durchweg gute Beziehungsgeschichte zurückblicken.


Der Fehler, zwischen den Stühlen zu sitzen

Folgende Geschichte habe ich schon dutzendfach gehört: Eine Person hat Probleme mit den Schwiegereltern und fühlt sich ignoriert, fremdbestimmt oder verletzt. Der Partner - und damit das Kind der Schwiegereltern - versucht dann,  neutral zu bleiben und zu vermitteln. So bleibt er zwischen den Stühlen sitzen und Konflikte können über Jahre andauern. Nötig ist jedoch, die Position zu wechseln: Ein erwachsenes Kind gehört an die Seite des Ehepartners. Verhalten die Eltern sich so, dass sich eine Schwiegertochter oder ein Schwiegersohn bei Besuchen wertgeschätzt fühlt? Gibt es Respekt dafür, dass auch außerhalb der eigenen Familienkultur Gutes und Richtiges gelebt wird? Wenn nicht, sind klärende Worte des erwachsenen Kindes gegenüber seinen Eltern notwendig.  Und auch das habe ich schon dutzendfach erzählt bekommen: Wenn sich der Partner auf die richtige Seite stellt, wird es leichter mit den Schwiegereltern. Diese versuchen weniger, ihr Schwiegerkind in ihre Erwartungen hinein zu pressen und entdecken eine Bereicherung darin, dass jemand die Familienkultur durch andere Akzente ergänzt.


Der Fehler, wieder in die Kindrolle zu rutschen

Es ist leichter gesagt als getan: Als erwachsenes Kind wird man sich mit seinen Eltern nur dann wohlfühlen, wenn man ihnen auch erwachsen begegnet. Doch der Sog zurück in die alte Kindrolle kann gewaltig sein. Schwierige Eltern können  oft nicht gut loslassen und behandeln  ihr erwachsenes Kind weiterhin wie ein Kind. Mit etwas Übung gelingt es jedoch immer besser, aus dieser Rolle herauszutreten und einfühlsame Sätze zu finden, die den Eltern das deutlich machen, zum Beispiel: „Danke, Mama, du hast viele gute Ideen dazu, wie ich mein Leben leben kann. Aber es ist mein Leben und es macht mir mehr Freude, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, so wie ihr das in meinem Alter auch getan habt.“


Ein falsches Verständnis von Vergebung

Bedeutet Vergebung, sich immer neu verletzen zu lassen und den Schwächen der Eltern immer aufs Neue ins Messer zu laufen? Wenn das so wäre, würde man besser nicht vergeben. Doch Vergebung betrifft die Vergangenheit. Alte Verletzungen heilen, wenn wir den Eltern vergeben und einüben, ihnen nichts nachzutragen. Dann lassen wir auch berechtigte Gefühle von Wut, Bitterkeit, Verletzung und Kränkung hinter uns. Wenn  Eltern allerdings heute noch verletzen, benachteiligen, emotional erpressen oder Grenzen überschreiten, dürfen sich Kinder schützen, auch wenn sie vergeben haben. Es ist kein Nachtragen, wenn wir aus Erfahrungen lernen und sagen: „In diese Situation werde ich mich mit meinen Eltern nicht mehr begeben.“ Wie viel Vertrauen möglich ist, wie viel Abstand nötig ist, wie viel deutliche Worte oder auch Konsequenzen  nötig sind, das bestimmt nicht die Vergangenheit, sondern das, was heute zu erwarten ist.


Der Fehler, erpressbar zu bleiben

Eltern und Schwiegereltern haben heute vielleicht noch eine Macht, weil man sich ihre Hilfe wünscht oder weil sie finanziell unterstützen. Viele erwachsene Kinder lassen sich dann emotional erpressen. Sie halten Dinge aus, die eigentlich unerträglich sind, sie machen Dinge, die sie freiwillig nie tun würden. So entsteht eine Last, die durch das Geld und die praktische Unterstützung gar nicht aufgewogen wird. Erwachsene Kinder sollten sich  davon frei machen. Wenn man die Beziehung taktvoll nach den eigenen Vorstellungen gestaltet und den Eltern oder Schwiegereltern positive Angebote macht, ist das Risiko in der Praxis gar nicht so groß, die Unterstützung zu verlieren. Wer tatsächlich abhängig von den Eltern ist oder wenn es um große Werte geht, kann man lernen, sich innerlich frei zu machen, auch wenn man sich äußerlich in manchen Punkten anpasst. Dann erwartet man von den Eltern keine Liebe und Wertschätzung mehr, sondern ein faires Geschäftsverhältnis von Geben und nehmen wie es das in Kulturen gibt, in denen Beziehungen formeller gestaltet werden als es hierzulande üblich ist.


Der Fehler, in der Defensive zu bleiben

Schwierige Eltern haben ihre Kinder  schon früh mit unangenehmen Verhaltensweisen überfallen, sodass Kinder nur reagieren konnten. Kinder hatten keinen Gestaltungsspielraum, weil die Bedürfnisse und Vorstellungen schwieriger Eltern den ganzen Raum angenommen haben. Wenn man nicht aufpasst, setzt sich dieses Muster  später fort. „Was wollen Sie eigentlich? Wie sähe eine realistisch gute Beziehung mit Ihren Eltern, wie sie nun einmal sind, aus?“, frage ich dann. Viele erwachsene Kinder, die unter ihren Eltern leiden, sind von einer solchen Frage  überrascht. Doch sie führt auf die richtige Spur: selbst positive Akzente setzen und die Eltern zu Dingen einladen, mit denen man sich  wohl fühlt. Und wenn die Eltern das nicht wollen? Dann hat man ein besseres Gefühl und ein besseres Gewissen, weil man den Eltern etwas Gutes angeboten hat. Man wird auch leichter unzumutbare Erwartungen der Eltern enttäuschen, wenn man die Tür zu reifen Begegnungen offen hält - ob die Eltern nun durchgehen können oder nicht.

Wenn erwachsene Kinder beharrlich in ihren positiven Einladungen sind, werden Eltern und Schwiegereltern oft erstaunlich beweglich. Wenn sich diese allerdings  überhaupt nicht bewegen, sondern fordernd und wütend werden, handelt es sich vermutlich um eine toxische Beziehung. Die darf und muss man scheitern lassen und betrauen. Wenn man gesund bleiben will, ist in diesen traurigen Ausnahmefällen nur wenig Kontakt möglich -  in manchen Lebensphasen vielleicht sogar gar kein Kontakt.


Wie Sie im Umgang mit Energie raubenden, Grenzen überschreitenden, bestrafenden... Eltern und Schwiegereltern einen Weg finden, lesen sie in meinem Buch zum Thema. Unten finden Sie noch ein kurzes Video, das typische Probleme und Lösungen auf den Punkt bringt.

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Leseprobe

Auch erwachsene Kinder wollen sich mit ihren Eltern verstehen. Doch manche Eltern machen das fast unmöglich. Sie verletzen und enttäuschen ihre Kinder auch heute noch. Sie üben Druck aus, sind ungerecht oder machen ein schlechtes Gewissen. Noch komplizierter wird es, wenn es Schwiegereltern sind, die sich unfair und lieblos verhalten. Kann man trotzdem gut mit ihnen leben? Erwachsene Kinder können eine liebevolle Stärke finden. Sie lernen, ihre Eltern zu verstehen. Sie setzen Grenzen und lenken Begegnungen in bessere Bahnen. Fallgeschichten und Praxistipps wecken Lust, die Beziehung zu Eltern und Schwiegereltern auf eine neue Grundlage zu stellen.


Mit Illustrationen von Thees Carstens

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